3. Klasse

 

Im eisigen Schneesturm, da kommen drei Reiter,
sie reiten voll Hast, um zu Haus bald zu sein;
sie sehn nicht den Armen gar flehentlich bitten,
nur Martin, der sieht ihn, bleibt stehen allein:
"Sollen sie nur weiterreiten,
ich will nicht mit ihnen streiten,
handle, wie ich selbst es will!"
Martin teilt den Mantel still,
reitet dann der Herberg' zu,
frohgemut, in Seelenruh'.

*
 
Aus tiefem Erdengrunde sprudelt
leis' ein kleiner Quell,
und zwischen Moos und Wurzeln rieselt
Wasser silberhell.

Ein Bächlein wird's und bald ein Bach,
der munter springt zu Tal,
bis jählings über Felsen er
sich stürzt als Wasserfall.

In tausend Tropfen sprüht und funkelt
farbig Sonnenlicht;
da schäumt's und rauscht's ein mutig Lied:
"Ich fürcht' die Tiefe nicht!"

Der Bach fließt weiter, wird zum Fluß;
und auf gewundnen Wegen
strömt kraftvoll er durch ebnes Land,
dem fernen Meer entgegen!


 

© by Ludger Helming-Jacoby

 

Aus dem Buch:
Ludger Helming-Jacoby
Zeugnissprüche und Sprüche aus dem Hauptunterricht einer Waldorfschule
Flensburger Hefte Verlag
ISBN 3-926841-95-8
Wegen der kleinen Auflage bitten Autor und Verlag, das Copyright zu respektieren und das Buch bei Bedarf zu kaufen!